Erweiterter Farbraum mit Mobjects

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beamer
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Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon beamer » 27.02.12, 23:26

Hallo Mobjektler,

ich überlege mir den Umstieg auf RAW Photos. Richtig sinnvoll sei das aber nur mit erweitertem Farbraum (z.B.Adobe RGB) und Farbtiefe "16 bit".
Ich frage mich nun, welche Nachteile das hat, wenn mit Mobjects vor allem im üblichen sRGB Farbraum wiedergegeben wird.

  • Ein zusätzlicher Arbeitsschritt mit Konversion RAW-JPG muss vor Mobjects eingeführt werden.
  • JPGs mit erweitertem Farbraum müssen von Mobjects in sRGB umgerechnet werden. Ist daher besser gleich mit sRGB JPGs zu arbeiten?
  • Eventuell darf Mobjects auf das aktuelle Farbprofil des Wiedergabegerätes noch einmal umrechnen.
Lohnt sich das rein farbtechnisch, wenn man von den anderen Vorteilen der RAW-Fotografie einmal absieht?

Erkauft man sich das nicht mit anderen Nachteilen der Farbumrechnung? Für viele PC-Software wird nicht angegeben, wie die Farbräume umgerechnet werden. Die Methoden, die sogenannten "rendering intents" sind Perzeptiv, Sättigung, Relativ farbmetrisch und Absolut farbmetrisch. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Rendering_intent. Alle Methoden haben Vorteile/Nachteile, die zu Fehlern führen, die mit einem reinen sRGB-Workflow nicht auftreten würden. Ist das in der Show-Praxis mit Mobjects überhaupt relevant und sichtbar? Welche "Rendering Intents" Methode verwendet Mobjects eigentlich?

Gruß vom Farb-Beamer
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Wolftaube
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon Wolftaube » 28.02.12, 14:57

Hallo Beamer

In RAW zu fotografieren macht meiner Meinung nach immer Sinn, wenn man seine Bilder bearbeiten möchte. Nur in JPG zu fotografieren wäre ungefähr so, wie auf Negativfilm zu fotografieren, Abzüge davon machen zu lassen und danach die Negative weg zu werfen. Aus der RAW-Datei kann man halt bei der Nachbearbeitung am meisten herausholen.
Die Wiedergabe mit mobjects hat aber bei dieser Entscheidung eher wenig zu tun. Der große Vorteil von RAW ist ja die hohe Farbtiefe - in der Regel 12 oder 14Bit. Leider ist es momentan mit mobjects (genauso wie mit fast allen anderen Anwendungen auch) nicht möglich, mehr als 8Bit auf den Monitor zu bringen.
Ein großer Farbraum ist auch nur dann sinnvoll, wenn der Monitor (bzw. das Wiedergabegerät) einen großen Farbraum darstellen kann (sogenannte WideGammut-Monitore). Das ganze ist sicherlich wünschenswert, hat aber auch Nachteile. Wenn du einen großen Farbraum hast und nur 8Bit auf den Monitor bringst, sind die Farbabstufungen größer, was sich bei leichten Farbverläufen (z.B. Himmel) besonders bei Helligkeitsänderungen (beim Überblenden) deutlich bemerkbar macht und zu unschönen Farbabrissen führt.
Leider kommt das Thema 10Bit-Farbe kaum in die Gänge, obwohl entsprechende Standards bereits definiert sind und die Technologien bereits verfügbar sind.
Ich fotografiere deshalb seit Jahren in RAW und bearbeite sie mit Lightroom. Das RAW ist so zu sagen meine Archivdatei und eine bearbeitete Version wird erst gespeichert, wenn ich sie in mobjects benötige. JPG geht ebenfalls nur 8Bit und den Farbraum stelle ich auf sRGB ein, obwohl dabei manchmal der Farbumfang etwas leidet. Dafür ist dann aber auch eine größtmögliche Kompatibilität gewährleistet.
Sollte sich in Zukunft eine höhere Farbtiefe auch bei der Ausgabe etablieren, kann ich jederzeit mit Lightroom die Bilder neu exportieren (mit höherer Farbtiefe und größerem Farbraum) und die alten Bilder im mobjects-ordner ersetzen. Vermutlich sind dann noch ein paar Anpassungen in mobjects nötig und schon ist die Show wieder auf dem technisch neuesten Stand.
So stell ich mir das zumindest vor. Vielleicht hilft dir meine Sichtweise bei deiner Entscheidung.

Gruß Wolfgang

mir
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon mir » 01.03.12, 14:21

Hallo Beamer,

wenn du bisher nicht mit RAW fotografiert hast, hast Du das Beste verpasst.

z.B. Farbverläufe im überbelichteten Himmel die durch nachträgliches Abdunkeln entstehen werden im RAW deutlich besser wiedergegeben, selbiges gilt für aufgehellte Schatten. Aber für das Endprodukt ist JPG absolut ausreichend. Minimalste Änderungen an den Beamer-Einstellungen und das ganze Farbmanagement entpuppt sich als Haarspalterei. Da wird meines Erachtens viel zu viel gedöns um gemacht. Das ist nicht mal für Produktfotografie entscheidend, oder hast du schon mal den Pullover neben das Prospekt gelegt?

Viel viel wichtige halte ich Helligkeit, Kontrast, Umgebungslicht, und das wird vom Farbmanagement überhaupt nicht berücksichtigt.

mal ganz unwissenschaftlich gesprochen.

gruß Michael

1Ernie
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon 1Ernie » 01.03.12, 15:49

Hallo,

RAW ist für ernsthafte Fotografie natürlich absolute Pflicht.

Nach einem durchgängigen Workflow, der unbedingt schon bei der Kameraeinstellung mit der z.B. Einstellung – RAW in höchster Qualität, keine Komprimierung, Adobe RGB, 14 Bit, Schärfe/Kontrast/Farbe/usw. moderat - beginnt, erfolgt dann die Bildbearbeitung mit z.B. Nikon NX 2 oder Photoshop.

Der Vorteil von RAW liegt ausschließlich in der Bearbeitung der Fotos.

Wenn man dann irgendwann meint, dass die Bearbeitung des Fotos perfekt ist, erfolgt die Speicherung als 8Bit JPG. JPG ist übrigens immer 8 Bit. Die RAW Datei bleibt natürlich gespeichert erhalten.

Aber, da heißt es vorher erstmal die Bedienungsanleitung der Kamera ganz genau zu lesen, denn eine falsche Einstellung z.B. bei der Nikon D 700 (Farbe, Kontrast, Schärfe, Bildverbesserung usw.) kann man auch bei der RAW-Bearbeitung nicht mehr ausbügeln.

Dann das Handbuch der Bildbearbeitungssoftware genau studieren und Erfahrung mit der RAW Bearbeitung sammeln.

Wenn man den Workflow ab Kamera bis Bildbearbeitung erstmal beherrscht, sind die Endprodukte als JPG-Dateien für MObjects (meistens) um Längen besser als Fotos, die als fertige JPG aus der Kamera kommen.

Das alles kann man durch mangelndes Farbmanagement aber wieder „kaputtmachen“ bzw. bei Ansicht der Fotos mit MObjects auf verschiedenen Monitoren oder Beamern sehen die Bilder mit jedem Beamer anders oder gar enttäuschend schlecht aus.

Ich habe z.B. 3 Verschiedene Monitore u. 3 Beamer im Einsatz.
(Beamer: Canon, Optoma, Panasonic)

Ohne durchgängiges Farbmanagment/Kalibrierung sehen die Bilder auf den genannten Geräten teilweise katastrophal anders aus.

Anmerkung:
Dieses Thema (kompletter Workflow) reicht nach meiner Einschätzung für ein Wochenseminar.

Viel Spaß


Gruß
Ernie

gruhle
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon gruhle » 03.03.12, 14:59

Hallo,

wie auch von den anderen schon erwähnt, bietet das Fotografieren im RAW-Format eindeutig Vorteile gegenüber JPG. Der größte Vorteil ist, dass es nach der Aufnahme möglich ist, die Fotos nach eigenen Vorstellungen zu optimieren und dies nicht den in der Kamera verbauten und herstellerspezifischen Algorithmen zu überlassen. Das setzt aber voraus, dass der verwendete RAW-Konverter nach den eigenen Vorstellungen eingestellt wird und bei Bedarf das Einzelbild noch selbst optimiert wird. Es ist ein zusätzlicher Aufwand, da auf dem Rechner auf jeden Fall eine Konvertierung in das gewünschte Zielformat notwendig wird. Aber genau darin liegt eben ein großer Vorteil, da je nach gewünschtem Zielformat immer wieder von den Original-Sensordaten ausgehend zielgerichtet konvertiert werden kann, ohne Verluste hinnehmen zu müssen, die aus einer zuvor genommen Konvertierung in ein anderes Format resultieren. Vorallem kann die Konvertierung in das Zielformat bzw. die Transformation in einen anderen Farbraum sehr spät in der Verarbeitungskette geschehen, sodass die Vorteile der größeren Farbtiefe möglichst lange erhalten bleiben. Bei der Arbeit mit Lightroom kann dies durch Export im JPG-Format direkt in den Pic-Ordner geschehen.

Einige Fotografen nutzen die Möglichkeit, bei der Aufnahme RAW und JPG parallel zu speichern. So haben sie schnellen Zugriff auf fertige Bilder (JPG) und haben denoch alle Möglichkeiten für eine Bildoptimierung (RAW).

mir hat geschrieben:Minimalste Änderungen an den Beamer-Einstellungen und das ganze Farbmanagement entpuppt sich als Haarspalterei.

Jein. Indem Änderungen an einem zuvor profilierten (kalibrierten) Beamer vorgenommen werden, wird das Farbmanagement quasi außer Kraft gesetzt.

mir hat geschrieben:Da wird meines Erachtens viel zu viel gedöns um gemacht. Das ist nicht mal für Produktfotografie entscheidend, oder hast du schon mal den Pullover neben das Prospekt gelegt?

Das ist falsch. Eben genau für diesen Grund wird ein immenser Aufwand getrieben. Die Abbildung im Prospekt soll die Farbe des Originals schon treffend wiedergeben und da werden seitens der Auftraggeber durchaus nur sehr enge Toleranzen zugestanden. Zugegeben, das gilt nicht für alle Produktabbildungen, ist aber eine der wichtigsten Anwendungen von Farbmanagement.

mir hat geschrieben:Viel viel wichtige halte ich Helligkeit, Kontrast, Umgebungslicht, und das wird vom Farbmanagement überhaupt nicht berücksichtigt.

Das stimmt so auch nicht. Zunächsteinmal wird für einen Farbraum auch immer das (Umgebungs-)Licht festgelegt (z.B. D50 oder D65) und insbesondere bei der Beamerprofilierung (Kalibrierung) spielt das Umgebungslicht eine außerordentliche Rolle.

Lesetipp:
Andreas Beitinger: Farbmanagement für Hobbyfotografen
(http://foto.beitinger.de/farbmanagement/index.html)


Für die Projektion und die Bildschimdarstellung ist eine Umwandlung nach sRGB Pflicht, da Monitore und Beamer im Allgemeinen nur diesen Farbraum darstellen können. Liegen die Bilder nicht im sRGB-Format vor, muss der Beamer die Umwandlung selbst vornehmen, was unangenehme Darstellungsprobleme hervorrufen kann. (Edit: Falls eine Schau für einen AdobeRGB-Beamer - die eher die Ausnahme sind - erstellt wird, gilt das Gesagte entsprechend für dir Umwandlung nach AdobeRGB.)

Eine Profilierung des Beamers ist vorteilhaft aber lästig, denn im Prinzip muss diese immer wieder vorgenommen werden, es sei denn, dass die Vorführbedingungen (Raumlicht, Entfernung des Beamers zur Leinwand etc.) konstant sind. Sie in vielen Fällen nicht wirklich notwendig. Oft reicht es aus (und ist gelebte Praxis), den Beamer 'nur' gut einzustellen, z.B. mittels eines Testbildes.

Herzlichst
RG
Zuletzt geändert von gruhle am 05.03.12, 12:08, insgesamt 1-mal geändert.

beamer
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon beamer » 05.03.12, 1:13

Hallo und vielen Dank für die ausführlichen Antworten,

so richtig überzeugt werden muß ich eigentlich nicht von den RAW-Vorteilen. Auch die Kalibrierung aller meiner Display ist eine unglaublicher Gewinn für alle Programme, die mit Farbe zu tun haben und besonders natürlich Mobjects. Die Farben werden nicht nur besser und mehr dem Original entsprechend dargestellt, sondern vor allem viel verlässlicher. Besonders mit manuell erzeugten Farben in Texten und Grafiken kann es nicht mehr passieren, daß z.B. aus einem Dunkelgrau ein Hellgrau wird oder umgekehrt. Ohne Kalibrierung bleibt die nachträgliche Modifikation von Fotos in Mobjects oder anderen Programmen ein Risiko und ein Stochern im Nebel.

Beim erweiterten Farbraum mit Mobjects (meiner eigentlichen Frage), sieht meine Zukunft leider etas begrenzt aus. Alle meine gescannten Dias und gescannten Fotos haben nur sRGB, ebenso die Hunderte von JPG-Digitalfotos mit diversen Billig-Kameras, die eine Familie eben so mal hat(te). Meine kleine Lumix kann zwar RAW, aber auch nur RGB und mein Beamer ebenso. Es ist vergleichbar mit meiner Musiksammlung, die fast komplett in 128 kBit/s MP3 vorliegt (telweise mühsam von LPs konvertiert). Der Audiophile schlägt jetzt die Hände über dem Kopf zusammen, da er natürlich nur >300 kBit/s oder FLAC (das Pendant zum RAW-Format) mit Surround akzeptiert.

Ein kleiner Trost ist, daß die Zuschauer einer Show weniger die Bildqualität, sondern vor allem das Arrangement, die Musik und die Botschaft schätzen. Selbst Schwarzweiß und Mono kann Freude und Beifall bewirken.

Gruß und Dank vom Beamer


P.S.: Meine nächste Kamera wird natürlich Adobe-RGB-RAW können und der nächste Beamer Adobe-RGB darstellen müssen.
Aber dann wird mich ärgern, dass ich nicht gleich 3D-RAW Fotos erstellt habe, denn wer nicht in 3D fotografiert, wirft die Hälfte fort:-)
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_Andreas_
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon _Andreas_ » 30.12.20, 23:12

Die letzten Beiträge zu diesem Thema liegen schon ein paar Jahre zurück,
deswegen möchte ich einmal nachfragen.

Macht es Sinn die RAW 14bit Adobe RGB Bilder aus LR für mObjects als JPEG in Adobe RGB oder sRGB zu exportieren?
Ich präsentiere Sie mit einem sRGB Beamer.

Bisher machte für mich nur sRGB Sinn - aber das kann sich ja geändert haben.
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beamer
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon beamer » 03.01.21, 20:04

Danke Andreas für die Wiederaufnahme meiner alten Frage aus 2012,

mittlerweile bin ich aus guten und bekannten Gründen längst auf RAW-Fotografie umgestiegen.
Meine Monitore und auch der Beamer sind seit längerem kalibriert und profiliert und das macht sich sehr positiv bemerkbar.

Richtig ins Messer gelaufen bin ich aber mit dem DNG-Format meiner Pentax. CaptureOne hatte über ein Jahr benötigt, um dieses Format ohne drastische Farbfehler zu interpretieren. Daher bin ich damals auf Lightroom umgestiegen, welches ich mittlerweile aber wieder verlassen habe. DNG ist also nicht per se standardisiert auswertbar, sondern die Software muss das schon können und RAW-Daten einer Kamera müssen auch im DNG-Container korrekt interpretiert werden.

Die Umwandlung für Mobjects erfolgt bei mir weiterhin in JPG-Dateien mit sRGB.
Bin sehr gespannt, ob jemand im Forum andere Farbraum-Methoden mit Mobjects hat.

Rudy
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WaBudd
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon WaBudd » 04.01.21, 11:00

Hallo Andreas,

Macht es Sinn die RAW 14bit Adobe RGB Bilder aus LR für mObjects als JPEG in Adobe RGB oder sRGB zu exportieren?
Ich präsentiere Sie mit einem sRGB Beamer.


die Frage ist doch eigentlich, kann mein Präsentationsmedium (Beamer, Fernseher, PC-Bildschirm, Laptop, ...) einen anderen Farbraum als sRGB darstellen. Falls er nur sRGB kann, könnte ich "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" Probleme bei den Farben bekommen.

Hast du das einmal mit deinem Beamer anhand einer kleinen Show ausprobiert?

Alles Gute!
Walter

holgerh
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon holgerh » 05.01.21, 13:12

Hallo Andreas,
MO beherrscht Farbmanagement. Deshalb exportiere ich in Lr mit AdobeRgb98 jpeg (ProPhoto wäre auch möglich) und habe in den Leinwandeinstellungen auch standardmäßig "Zielfarbraum des Gerätes verwenden (statt sRGB)" angeklickt. Wenn ich denn auf meinem Arbeitsmonitor (Eizo CX271, kalibriert ) schaue, kann ich die volle Farbwiedergabe auch ausnutzen, MO sieht, dass es auf den Monitor geht und nimmt das zugehörige Farbprofil. Bei jeder Änderung der Einstellung (z.B. auch nach Neukalibrierung, die eben auch das Farbprofil erneuert) errechnet MO dann alle Vorschaudateien neu und braucht dafür etwas Zeit. Bei Export für den TV stelle ich dann auf sRGB um. Aber man sollte schon die Möglichkeiten eines durchgehenden Farbmanagement ausnutzen und sich nicht schon von vorneherein einschränken. Fotografen, die hauptsächlich für Internet und eben sRGB Beamer produzieren können auch grundsätzlich nur sRGB einsetzen, das ist halt die Anpassung an den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Ausgabequellen. Aber vielleicht möchte man ja einen neuen Beamer einsetzen, der mehr darstellen kann und da braucht man an der Schau erst einmal nichts ändern und kann den erweiterten Farbraum nutzen.
Nachdem auch mein Drucker deutlich mehr als sRGB kann und alle verwendeteten Programme Farbmanagement beherrschen, nutze ich es auch.
Und ja, gerade Landschaftsaufnahmen sehen auf einem kalibrierten wide gamut Monitor deutlich besser aus.

Info für Verwender von Monitoren, bei denen zwischen verschiedenen Ausgabezielen umgeschaltet werden kann (wie Eizo, mit der ColorNavigator SW): Dadurch wird jedes Mal ein neues Monitorprofil in Windows gespeichert und MO rechnet alle Vorschauen neu. Kann man mit Trick umgehen, bzw. Herr Richter hatte schon mal Erweiterungen im Farbmanagement angekündigt, hat aber noch anderes auf seiner Agenda...
Viele Grüße,
Holger
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_Andreas_
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon _Andreas_ » 08.01.21, 13:58

WaBudd hat geschrieben:
...die Frage ist doch eigentlich, kann mein Präsentationsmedium (Beamer, Fernseher, PC-Bildschirm, Laptop, ...) einen anderen Farbraum als sRGB darstellen. Falls er nur sRGB kann, könnte ich "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" Probleme bei den Farben bekommen.

Hast du das einmal mit deinem Beamer anhand einer kleinen Show ausprobiert?


Hallo Walter,
ich habe mich durch die Anleitung meines Beamer gearbeitet und leider keinen klaren Hinweis auf den Farbraum gefunden.
Er wirbt damit, dass er 3LCD Panel und einen "sehr großen" Farbraum hat.
Außerdem kann man in sehr vielen Menus die Farben einstellen und meiner Meinung nach auch verstellen!
Einen Test mit Adobe RGB Farbraum habe ich noch nicht gemacht, da es wahrscheinlich auch keinen Sinn macht,
wenn der Adobe Farbraum in den Spezifikationen nicht explizit erwähnt wird.
Hier ein paar Screenshots dazu:
20210108 Farbraum Epson EH -TW6100W b01.jpg

20210108 Helligkeit und Kontrast Epson EH -TW6100W b01.jpg
20210108 Helligkeit und Kontrast Epson EH -TW6100W b01.jpg (21.28 KiB) 3935 mal betrachtet
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_Andreas_
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon _Andreas_ » 08.01.21, 14:18

holgerh hat geschrieben:Hallo Andreas,
...MO beherrscht Farbmanagement. Deshalb exportiere ich in Lr mit AdobeRgb98 jpeg (ProPhoto wäre auch möglich) und habe in den Leinwandeinstellungen auch standardmäßig "Zielfarbraum des Gerätes verwenden (statt sRGB)" angeklickt.


Hallo Holger, schönen Dank für Deine ausführliche und klare Ausführung.
Es klingt für mich absolut nachvollziehbar und logisch.

Ich werde nun wohl doch einen Test machen mit dem selben Bild exportiert aus LR mit SRGB und AdobeRgb98.
Diese dann in mObjects nebeneinander setzen und dann mit die Leinand Einstellung wechseln.
Wenn es einen sichtbaren Unterschied gibt, wähle ich den besseren - ich vermute Mal AdobeRgb98.

Ich gebe Dir voll und ganz recht, dass man erst so spät wie möglich im Workflow Einschränkungen hinnehmen sollte.
Das ist unter anderem auch mein Grund die Bilder in voller Auflösung in mObjects zu nutzen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass es für Vortragsreferenten einmal 4,8 oder ...K Beamer geben wird,
die man bezahlen kann und bei denen der Zuschauer im Raum den Unterschied auch sieht.
Bis dahin "weine ich bei jedem Vortrag", dass von meinen 24MP nur 2MP mit FHD 1920x1080 übrig bleiben! :-(
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon 1Ernie » 09.01.21, 18:17

Hallo,
Gehe mal davon aus, das der überwiegende Teil der echten Vortragsreferenten seit dem Jahr 2004 Canon Beamer der XEED Serie einsetzt. (damals SX 50)

Aktuell Canon WUX6500 u. noch aktueller WUX 5800-7000.
Keiner von den o.a. Canons kann den vollen sRGB Farbraum darstellen !
Erst die neuen Canon Laser schaffen das, sind dafür im Kontrast nicht besonders gut.

Möchte damit subjektiv sagen, das Farbmanagement im Rahmen von M.objects Shows von manchen total überbewertet wird.
Viel wichtiger sind:
Leinwand in unterschiedlicher Qualität u. Gain (eventuell im Saal oder Vortragsraum verplichtend vorhanden ?)
Technik des Beamers (kann/darf der eigene überhaupt immer eingesetzt werden ?)

Ich persönlich halte es auch für einen Fehler, eine M.objects Show mit 2 Monitoren final zu programmieren u. seien die Monitore noch so gut u. kalibriert. Jede Show sieht über die Beamerprojektion auf einer 3 oder 5 Meter Leinwand anders aus als auf dem Monitor.

Unterschiedliche Beamer-Technik: (soweit mir bekannt) DLP, LCD, LCOS, DILA
Ich habe z.B. aktuell noch folgende Beamer mehr oder weniger im Einsatz:
Canon XEED SX 50
Canon XEED 6100 (deckt sRGB nicht vollständig ab)
Panasonic PT-DZ 570 deckt sRGB nicht vollständig ab)
JVC N5 – DiLA 4K (deckt sRGB u. größeren Farbraum vollständig ab)

Die o.a. Geräte stellen trotz Profikalibrierung das Bild ganz einfach unterschiedlich dar. Das ergibt sich durch die unterschiedliche Technik. Z.B. DLP, LCOS, LCD, DiLA oder Laser.
Unterschiede sieht man z.B. im Kontrast, Schärfe, Helligkeit und Farbdarstellung.

Der „beste“ der o.a. Beamer ist zweifellos der nagelneue JVC N5. Der hat aber leider bei sRGB mit kalibrierten 1.500 Lumen für den Vortragssaal ganz einfach zu wenig Licht. Außerdem sieht der Zuschauer von 4K bei einem Abstand von über 1,5 Bildbreite nichts mehr von 4K. Das wären bei einer 5 Meter Leinwand gerade mal die ersten 7,5 bis max. 10 Meter. Bei 4 Meter Leinwand 6 – 7 Meter usw. usw. 4K fällt deswegen für mich auch künftig in der Regel aus. Eventuell für einen kl. Kreis mal.

Setze daher den Panasonic DLP - 570 im Wechsel mit dem Canon XEED 6100 ein. Je nach vorhandenen Räumlichkeiten, Leinwand, Lichtverhältnisse usw.
Der Panasonic macht meiner Einschätzung nach wie vor das bessere plastische Bild.
Der LCOS - Canon 6100 ist einen Tick schärfer u. wesentlich heller, aber schlechter im Kontrast.
Möchte insgesamt eigentlich subjektiv nur sagen, das im Rahmen von M.objects Shows andere Dinge wichtiger sind als ein Farbmanagement.

Das wichtigste (jedenfalls für mich) sind Bildsequenzen und neuerdings mehr Videos die eine durchgängige Handlung darstellen. Da fliegen schon mal einzelne Superfotos aus der Show raus, weil ein tolles Foto in der Regel für die Show und den Zuschauer garnichts bringt.
Gruß
1Ernie

_Andreas_
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon _Andreas_ » 10.01.21, 18:30

Hallo 1Ernie,

schönen Dank für Deine detaillierten Informationen und vor allem reale Erfahrungsberichte.

Dies bestätigt zu 100% meine aktuelle Einschätzung zum Thema 4K.
Auch von anderer Stelle habe ich ähnliches gehört.

Nun kann ich mir getrost das Geld (für 4K-Beamer und 4K-Rechner) sparen und mich auf die Programmierung von guten Schauen konzentrieren. Getreu dem Motto: Wer es nicht versucht, hat schon verloren.

Ich habe auch ein kleinen Test zum Thema Adobe RGB gemacht.
Mein Fazit: AdobeRGB hat mir keinen großen sichtbaren Vorteil gezeigt. Viel wahrscheinlicher ist eine schlechtere Darstellung aufgrund unpassender Software (Einstellung) oder unfähiger Hardware.
Fazit: Back to the roots, ich bleibe bei sRGB für das fertige JPEG
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Re: Erweiterter Farbraum mit Mobjects

Beitragvon 1Ernie » 10.01.21, 20:04

Hallo Andreas,
dachte schon, das ich wegen meiner etwas ausschweifenden Einlassung hier etwas "fertig gemacht" werde.
Aber M.objects-Nutzer sind ja im allgemeinen nette Typen, die machen das nicht.

Insbesondere wegen meiner subjektiven Äußerung das man mit 2 noch so guten Monitoren keine M.Objects-Show final programmieren sollte.
Meiner Meinung nach besser mit Monitor u. das Bild/Leinwand direkt mit einem Beamer u. 2 oder 3 Meter Leinwand.

Wer die Möglichkeit dazu hat.

Kostet natürlich Lampe, was solls.

Viele Grüße
1Ernie